Privatärztliche Praxis
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BLOG 26 Unsichere Zeiten mit Trauer, Wut und Angst Das Jahr 2020 werden wir alle in Erinnerung behalten, die einen mehr, die anderen weniger. Dabei wird nicht nur eine Rolle spielen, ob eine Betroffenheit vom Virus persönlich, bei Familienangehörige, Kollegen, Freunden oder Bekannten vorlag, sondern wie alle dazugehörenden Veränderungen wahrgenommen und verarbeitet werden konnten. Als Allgemeinmediziner wird mir seit März 2020 von Patienten täglich nicht nur der Anlass des Arztbesuches, sondern immer auch die momentane persönliche Stimmung geschildert. Dabei reicht die Bandbreite von Angst über Ärger, Wut und Trauer bis hin zu Panik, Verzweiflung und Ohnmacht, aber auch Gelassenheit, Vertrauen und Zuversicht verspüren manche Patienten. Es ist nicht einfach, als Arzt auf das jeweilige Stimmungsbild Einfluss zu nehmen, zumal die Konfrontation mit schwierigen Situationen außerhalb der Praxis stattfindet. Was mir in den letzten Monaten aufgefallen ist, dass es vielen Patienten aktuell schwerer fällt, ihre Fähigkeiten der Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit abzurufen. Viele fühlen sich der Situation hilflos ausgeliefert. Doch dieses Ohnmachtsgefühl - egal, welche Ursache es hat (Angst zu erkranken, Zukunftsangst, Trauer nach einem Verlust, Existenzangst, Sorgen um einen Angehörigen der Familie oder Grübeln) – ist der am wenigsten hilfreiche psychische Zustand, in den man geraten bzw. in dem man verharren sollte. Evolutionsbedingt tragen wir auch heute noch die Grundtendenzen – bei Stress (Angst) zu fliehen, zu kämpfen oder uns totzustellen – zusammen mit der später erworbenen Fähigkeit, zu kommunizieren, in uns. Ohnmacht entspricht dabei dem Reflex des sich Totstellens. Man ist „kampfunfähig“ und auch nicht mehr in der Lage zu „fliehen“, auch die Kommunikation ist eingeschränkt. Für den Körper hat dieser Zustand mitunter schwerwiegende Folgen. Angst oder Ohnmachtsgefühle stellen für den Organismus massiven Stress dar. Durch diese inneren Abläufe durch Ausschüttung von Stresshormonen bleibt der sogenannte Sympathikus – ein vegetativer Kreislauf, der u.a. Herz, Atmung, Muskulatur versorgt – permanent aktiv. Der notwendige Wechsel in den parasympathischen Kreislauf, also Entspannung, bleibt aus. Langfristig erhöht sich dadurch das Risiko, an Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs zu erkranken. Wie aus diesem Teufelskreis wieder herauskommen? Ein wichtiger Schritt ist im Hier und Jetzt - das heißt im Augenblick, in dem Sie sich gerade befinden - zu bleiben. Richten Sie Ihr Augenmerk auf Ihren Körper. Wo ist er locker und entspannt? Wo sind Partien angespannt oder verkrampft? Mit dem Training bewusster Atmung gelingt es Ihnen leichter, sich nicht in Grübelschleifen zu verlieren. Sagen Sie zu sich innerlich „STOPP“. Hängen Sie Ihre Gedanken an Dinge, die Ihnen angenehme Gefühle bereiten wie innere Bilder eines Spaziergangs am Meer oder Gedanken an ein fröhliches Familientreffen. Bleiben Sie bei diesen Bildern und verlieren Sie sich nicht in Gedanken wie „ja aber … (wer weiß, wann es wieder so sein wird)“. Bleiben Sie bei den angenehmen Emotionen, die aufsteigen. Diese Veränderung ermöglicht es Ihnen, den Parasympathikus zu aktivieren, der Stresspegel fällt und Sie haben Kraft, die Zügel für Ihr Leben wieder mehr in die Hand zu nehmen. In einem entspannten Zustand ist der Verstand eher in der Lage, Lösungen zu finden. Scheuen Sie sich nicht, sich Unterstützung zu suchen, wenn Entspannung aktuell gar nicht gelingen will. Egal, wo Ihre Problematik liegt (Überforderung in der Familie, Verlustbewältigung, Angst usw.), es lassen sich Lösungen finden. Je eher Sie Ihre Psyche entlasten, desto besser kann Ihr Immunsystem reagieren und Ihren Körper schützen. Suchen Sie sich Alternativen zu den Dingen, die aktuell vielleicht eingeschränkt oder nicht möglich sind (telefonieren statt persönlichem Kontakt). Sprechen Sie Ängste u.a. belastende innere Zustände an. Gespräche schaffen Akzeptanz des Ist-Zustandes (Gegenwart), wodurch Ängste kleiner werden. Dies ist hilfreicher, als Belastungen durch Schweigen oder destruktive Aktivitäten (wie der ständige Blick aufs Smartphone) zu verdrängen, da dadurch Ängste größer werden. Erinnern Sie sich an Menschen, die Ihnen zuhören – auch Ihr Arzt sollte Zeit und offene Ohren für Ihre Befindlichkeit in der aktuellen Lage haben. Jeder innere Zustand – egal ob Angst, Wut oder Trauer – hat seine Berechtigung, will beachtet werden, da er auf nichtbefriedigte Bedürfnisse hinweist. Versuchen Sie allein oder zusammen mit anderen – oder mit professioneller Unterstützung – herauszufinden, wie Sie aktuell nicht befriedigte Bedürfnisse (wie beispielsweise nach Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit) befriedigen können. Aktiv zu bleiben auch in Zeiten, wo Menschen scheinbar zu Passivität „verdammt“ sind, ist für jeden Menschen in jedem Alter wichtig. Bleiben oder werden Sie gesund. Alles Gute dafür.
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